Als Personalleiter unterstütze ich Unternehmen auch im Bereich Personalbeschaffung. D.h. ich sitze regelmäßig auf der anderen Seite (Arbeitgeberseite) und suche zusammen mit meinem Kunden die richtigen Personen für die zu besetzenden Stellen aus.
Um eingeladen zu werden, bedarf es zunächst einer ansprechenden Bewerbung, per eMail oder auf Papier.
Was heisst ansprechend: Mich nervt es, wenn ein Bewerber bzw. eine Bewerberin (künftig Bewerber) mehr als zwei Anlagen seiner Bewerbungsemail beifügt.
Die eMail z.B. kann das Abschreiben sein, dann der Lebenslauf und die Zeugnisse als Anlage, möglichst per pdf-file. Clevere Bewerber führen alle Unterlagen in einem pdf-file zusammen. Sehr lobenswert!
PDF-file deshalb, weil die in einem Schreibprogramm erstellten Bewerbungen vom Layout sehr gut gestaltet sind und dann ohne sichtbare Formatierung umgewandelt werden können. Ich empfinde ein Word-file mit Formatierung als eine Zumutung. Ein No-Go ist es, ein Datei zu verwenden, die ich mit meinen MS-Office-Programmen nicht öffnen kann. Darum ist der PDF-Standard eine sehr elegante Lösung.
Wer eine Bewerbung schickt, die ich nicht öffnen kann, scheidet aus meinem Bewerberprozess sofort aus.
Unmöglich ist es auch, mir Dokumente in einem Bildformat zu senden, z.B. Lebenslauf und Zeugnisse. Dadurch zeigt mir der Bewerber, ich kann mit den Officeprodukten nicht umgehen. Welcher Bewerber kann sich so etwas leisten?
Für einen Kunden nahm ich an einem Bewerbungsgespräch zur Besetzung einer Stelle im Pre-Project-Management teil. Der Bewerber war Jurist und arbeitete im Projectmanagment eines großen Stahlunternehmens. Während des Bewerbergespräches klingelt sein Handy und er nahm wie selbstverständlich das Gespräch an. Sein Gesprächspartner war seine taiwanesische Frau, mit der er sich fließend in Mandarin unterhielt. An eine Entschuldigung für die Unterbrechung kann ich mich nicht erinnern.
Was war meine Reaktion? Zunächst fand ich es unmöglich, dass er während eines Bewerbungsgespräches ein Telefonat führte. Das Telefon ist auszuschalten oder man bittet aus einem besonderen Grund um die Erlaubnis, dieses auch während des Gespräches empfangsbereit zu halten. Andererseits stellte er durch das Telefonat unter Beweis, dass er Mandarin spricht. Ob dies ein fingierter Anruf war, würde ich vom Gefühl her verneinen. Auf jeden Fall habe ich das Gespräch zum Anlass genommen, ihn bzgl. der Herkunft seiner Sprachkenntnis zu befragen.
Letztlich bekam der diese Stelle, aber auch deshalb, weil wir kaum qualifizierte Bewerbungen auf diese Position erhalten haben. Rückblickend kann ich schreiben, es war eine sehr gute Besetzung. Es war für das Unternehmen ein Gewinn.
Schlussfolgerung: Wenn ich mich in einem Mangelberuf bewerbe, d.h. der Bewerber kann sich seinen Arbeitgeber auswählen, komme ich als Arbeitgeber um Kompromisse nicht herum.